Altersvorsorge: Wie viel muss ich sparen?
12.11.2008 – Dass man für das Alter mehr tun muss, als auf die staatliche Rente zu hoffen, ist den meisten inzwischen klar. Nur wie viel?
Immer mehr Bundesbürger schließen einen Riester- oder Rürup-Vertrag ab. Sie zahlen außerdem vielleicht eine Immobilie ab und halten Aktien. Aber wer weiß schon genau, ob das ausreichen wird? Es ist die wichtigste Frage und zugleich die, die sich die wenigsten Menschen beantworten können. Wie viel muss ich sparen, damit mein Geld im Alter reicht?
Je früher, desto besser!
Eine Grundregel lautet: Je früher Sie mit dem Sparen beginnen, desto stärker wirken Zins und Zinseszinseffekt. Nach 5 Jahren erzielen Sie beispielsweise mit 3 Prozent Zinsen eine Gesamtverzinsung von 15,9 Prozent. Bei einer 25 oder 30 Jahre lang laufenden Anlage sind es schon 33 Prozentpunkte Unterschied. Spart jemand 40 Jahre lang statt 35 Jahre, erzielt er 45 Prozentpunkte mehr.
Je länger, desto risikoreicher!
Gleichwohl ist zu bedenken, dass mit einem längeren Sparzeitraum auch das Risiko wächst. Wer kann schon vorhersagen, was die Zukunft bringt? In 30 Jahren kann viel passieren. Denken Sie selbst zurück: Es gab den Kalten Krieg, den Ölpreisschock, die Inflation, den Pillenknick und nicht zu vergessen das Internet, das unser Leben in kürzester Zeit komplett verändert hat.
Lebenserwartung richtig einschätzen
Berücksichtigen müssen Sie auch die Lebenserwartung. Der Mensch lebt heute länger als früher. Dieser Fakt wird oft ignoriert, kann aber schnell dazu führen, dass das Ruhestandsgeld nicht bis zum Schluss reicht. Gehen Sie nicht von der durchschnittlichen Lebenserwartung bei Geburt aus. Das ist keine zuverlässige Zahl. Ein Mann hat bei Geburt eine Lebenserwartung von 75 Jahren. Tatsächlich erreicht ein heute 70-jähriger Mann aber im Schnitt ein Alter von 83 Jahren. Wer sich so verrechnet oder verschätzt, muss unter Umständen 8 Jahre ohne zusätzliches Einkommen im Alter bestreiten. Berücksichtigen Sie darum unbedingt die Abweichung von der durchschnittlichen Lebenserwartung. Je später der Jahrgang, desto höher ist überhaupt die Lebenserwartung. Die heute junge Generation lebt unter besseren Bedingungen als die ältere Generation es früher tat, angefangen schon bei der medizinischen Versorgung. So kann ein heute 30-Jähriger durchaus damit rechnen, 100 Jahre alt zu werden. Mit einer Rentenversicherung können Sie das so genannte Überlebensrisiko absichern.
Inflation und Rendite
Wichtig bei der Altersvorsorge ist nicht nur der Sparanteil, sondern auch die Renditeerwartung. Interessant ist hier vor allem der Nominalzins. Um das, was Sie am Ende herausbekommen, richtig bewerten zu können, müssen Sie die Inflation berücksichtigen. Bei einer Inflation von 2 Prozent, was absolut realistisch ist, sind nach 50 Jahren nominal 1.000 Euro Rente real nur noch 370 Euro wert. Das spricht natürlich für eine möglichst hohe Rendite. Die geht jedoch in der Regel auch mit einem höheren Risiko einher. Um das zu minimieren, empfehlen in der FAZ Unternehmensberater Dr. Siegfried Numberger und Prof. Dr. Carsten Rennak von der ESB Reutlingen ein Portfolio aus Immobilien, Versicherungen und Wertpapieren. Je breiter Sie diversifizieren, desto besser.
Leben wie zu Beginn des Arbeitslebens
Was müssen Sie also zur Seite legen, um später so leben zu können, wie zu Beginn des Arbeitslebens? Laut Berechnungen von Dr. Numberger und Prof. Dr. Rennak in der FAZ muss ein 30-jähriger Mann bei einem Realzins von 3 Prozent und einer Lebenserwartung von 87 Jahren 28 Prozent seines Einkommens sparen, wenn er mit 60 in Rente gehen will.
Leben wie am Ende des Arbeitslebens
Am Ende des Arbeitslebens hat sich der Lebensstandard in der Regel noch erhöht. Man geht im Schnitt von einer Einkommenssteigerung um real 3 Prozent pro Jahr aus. Wenn der heute 30-Jährige im Ruhestand seinen Lebensstandard vom Ende des Arbeitslebens halten möchte, müsste er 50 Prozent seines Einkommens sparen.