Unterschiedliche Sterbetafeln müssen sein

27.01.2010 – Versicherer arbeiten je nach Versicherungsprodukt mit unterschiedlichen Sterbetafeln. Für den Laien mag das befremdlich scheinen, doch hat diese Praxis ihre Berechtigung.

Verschiedene Zielgruppen
Schließt beispielsweise ein 45-jähriger Mann eine private Rentenversicherung ab, rechnet der Versicherungsanbieter so, als würde er 91 Jahre alt werden. Schließt eben dieser Mann hingegen eine Risikolebensversicherung ab, rechnet der Versicherer damit, dass der Kunde 76 Jahre alt wird. Das sind 15 Jahre Unterschied. Begründet liegt dieser Unterschied in den so genannten Sterbetafeln, mit denen die Versicherungsbranche arbeitet. Sie werden von der Deutschen Aktuarvereinigung entwickelt, in der sich Versicherungsmathematiker zusammengeschlossen haben. Für Risikopolicen und private Rentenversicherungen werden verschiedenen Tafeln genutzt. Schließlich sind auch die Zielgruppen für diese Produkte unterschiedlich. Ein heute 35-Jähriger wird häufiger 80 Jahre alt als ein heute 50-Jähriger.

Nicht nur Lebenserwartung interessiert
Bei der Risikolebensversicherung interessiert, wie viele Menschen ihre Police überleben. Bei der privaten Rentenversicherung muss der Anbieter berechnen, wie lange der Versicherte lebt, der daraus Gelder bezieht. Die Sterbetafeln enthalten keineswegs nur die durchschnittliche Lebenserwartung. Die würde bei der Berechnung auch wenig helfen. Wichtig ist auch die Verteilung. So muss man sich fragen, was es bedeutet, wenn ein Mann im Schnitt 75 Jahre alt wird. Es könnte bedeuten, dass die eine Hälfte der Versicherten 50 und die andere Hälfte 100 Jahre alt wird. In dem Fall würde jede zweite Familie Geld von der Risikoversicherung und die andere Hälfte der Versicherten 35 Jahre lang Rente bekommen. Würde jeder tatsächlich 75 Jahre alt werden, müsste der Risikolebensversicherer gar nichts zahlen, der Rentenversicherer hingegen 10 Jahre für jeden Sparer Rente. In so einem Fall wäre eine Versicherung aber überflüssig. Versicherungsunternehmen verweisen auch auf den Fakt, mehrere Jahrzehnte lang die zunehmende Alterung der Bevölkerung unterschätzt zu haben.

Kaum Alternativen
Wer sich mit solchen Begründungen nicht zufrieden geben will, kann sein Geld nur außerhalb der Versicherungsbranche anlegen, da nahezu jeder Anbieter mit denselben Sterbetafeln kalkuliert. Doch wer Aktien, Fonds oder Gold kauft, um für das Alter vorzusorgen, muss sich selbst Gedanken um Lebenserwartung und Sterbewahrscheinlichkeit machen. Wenn das Geld zu früh aufgebraucht ist, droht Altersarmut.  

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