Risiko der Altersarmut immer noch unterschätzt
15.01.2010 – 14,3 Prozent der westdeutschen Rentner müssen Altersarmut fürchten.
Frauen und Selbstständige besonders gefährdet
Besonders Frauen sind von Altersarmut betroffen, da Kinderziehung und Hausfrauenzeiten bei vielen Lücken in die Erwerbsbiografie gebracht haben. Ihr Risiko, im Alter von der Grundsicherung leben zu müssen, ist 20 Prozent höher als bei Männern. Alleinerziehende sind besonders gefährdet, da sie weniger Chancen auf einen Job haben und zudem weniger verdienen. Eine Risikogruppe sind auch Selbstständige. Weil sie nicht zur Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung verpflichtet sind, verfügen sie am Ende des Berufslebens meist über zu wenig Vermögen für das Alter. Weil der Zwang zum Sparen fehlt, tun sie es nicht. Laut Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und demografischer Wandel sind 20 Prozent aller Selbstständigen von Altersarmut bedroht.
Deutsche sind Vorsorgemuffel
Trotz dieser düsteren Aussichten sorgen noch immer zu wenig Deutsche privat vor. Jeder dritte Berufstätige zweifelt am Sinn einer privaten Vorsorge. Das ergab eine aktuelle Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach. Das ist umso verwunderlicher, als sich die Hälfte der Befragten bewusst war, dass die gesetzliche Rente für den gewohnten Lebensstandard nicht ausreicht.
Renteninformation zeigt Lücke
Wer sich davon überzeugen will, dass die Versorgungslücke nichts Abstraktes, sondern wirklich eine reale Gefahr darstellt, sollte seine Rentenauskunft aufmerksam studieren. In der Zeile "Ihre bislang erreichte Rentenanwartschaft entspräche nach heutigem Stand ..." finden Sie einen Betrag, mit dem Sie später Ihren Lebensunterhalt bestreiten müssten, wenn Sie nicht privat vorsorgen. Bei vielen Bundesbürgern liegt der Betrag knapp über der staatlichen Mindestversorgung von 676 Euro. Zwar hat die Deutsche Rentenversicherung für den westdeutschen "Eckrentner" im Juni 2009 1.229 Euro Altersbezüge errechnet, die Realität sieht jedoch leider anders aus. Dieser "Eckrentner" müsste nämlich 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Auf so viel Jahre und Beiträge kommt heute kaum noch jemand. Also verwundert es nicht, dass die durchschnittliche Rente in der Bundesrepublik 2008 bei 722 Euro lag, 962 Euro für Männer und 526 Euro für Frauen.
Mit Riester aus dem Vorsorgedilemma
Um die Deutschen zur privaten Vorsorge zu motivieren, führte die Bundesregierung 2001 die bezuschusste Riester-Rente ein. Bis 2008 wurden die Förderbeträge peu a peu erhöht, so dass die heutige Grundzulage bei 154 Euro pro Person liegt. Pro Kind zahlt der Staat 185 Euro im Jahr, für ab 2008 Geborene sogar 300 Euro. Für Berufseinsteiger ab 25 Jahre gibt es einen Extrabonus von 200 Euro.