Riester für alle! Förderung auch für Selbstständige?
10.04.2009 – Auf der 10. Handelsblatt-Tagung "Betriebliche Altersversorgung" in Berlin stellte Professor Bert Rürup fest, dass die Zahl der gering verdienenden Solo-Selbstständigen spürbar angestiegen ist.
Weil sie nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und sich die Rürup-Rente für sie steuerlich kaum lohnt, plädiert der Finanzexperte dafür, die Riester-Förderung auch für Selbstständige zugänglich zu machen. Riester für alle, sozusagen.
Solo-Selbstständige von Altersarmut bedroht
Gerade für Geringverdiener lohne sich laut Rürup diese Form der Altersvorsorge. Das Problem der Altersarmut würde hierzulande noch viel zu sehr unterschätzt, warnte er. Gerade Soloselbstständige seien davon häufig betroffen. Durch eine Öffnung der Riester-Rente für alle könne man diesem Problem begegnen. Laut Franz-Josef Lersch-Mense, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, ist die Altersarmut zur Zeit noch kein Problem. Immerhin lebte heute erst jeder 40. Rentner von der staatlichen Grundsicherung. Gleichzeitig übte er Kritik an den vielen "zweifelhaften Prognosen", die nur der Panikmache dienen. Dass die Solo-Selbstständigen eine Risikogruppe darstellen und von der Altersarmut bedroht sind, gab es allerdings zu.
Freibetrag für Alterseinkommen
Genauso forderte Rürup auf der Fachtagung einen Freibetrag für alle Arten von Alterseinkommen. Dieser dürfe nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden, so dass auch Geringverdiener weiterhin auf die private Vorsorge setzen.
Besserstellung von ALG-II-Empfängern
Derzeit erwirbt ein Bezieher von ALG II innerhalb eines Jahres einen Rentenanspruch von 2,17 Euro. Für Rürup ist das viel zu wenig. Eine höhere Bewertung der durch das Arbeitslosengeld II geleisteten Rentebeiträge wäre sinnvoll.
Sockelrente für Geringverdiener
Immer mehr Geringverdiener, die nicht privat für das Alter vorsorgen, rutschen in die Grundsicherung ab trotz lebenslanger Arbeit, bemerkte Karl-Josef Laumann (CDU), nordrhein-westfälischer Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Obwohl sie ihr Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, würden sie so mit denen gleichgestellt, die nie Rentenbeiträge geleistet haben. Für Rürup stellt das eine hundertprozentige Zusatzbesteuerung der Geringverdiener dar, da sie von ihren Rentenbeiträgen nichts zurückbekämen. Hier bestünde seiner Meinung nach unbedingt politischer Handlungsbedarf. Denkbar wäre eine Sockel- oder Aufstockrente.