Rente mit 62 in Frankreich

14.07.2010 – Nach einer Meldung von Reuters will auch die französische Regierung ihre Bevölkerung später in den Ruhestand schicken. Gleichzeitig sollen Reiche steuerlich stärker zur Kasse gebeten werden.

Franzosen dürfen trotzdem früher in Rente
Ohne solche Maßnahmen würde dem französischen Rentensystem der Zusammenbruch drohen, heißt es. Drei Monate lang hatte die Regierung mit den Gewerkschaften über die geplante Reform diskutiert. Kern ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 62 Jahre bis 2018. Derzeit liegt es noch bei 60 und damit im europäischen Vergleich weit unten. Während der Renteneintritt in Deutschland stufenweise auf 67 Jahre erhöht werden soll, steigt er in Großbritannien und Italien auf 65 Jahre. Die französischen Regierungen kamen bislang mit Reformplänen nicht gegen die Proteste der Gewerkschaften und der Bevölkerung an. "Wir können die Tatsache nicht ignorieren, dass die französische Bevölkerung altert", wird Arbeitsminister Eric Woerth bei Reuters zitiert. "Wir müssen uns dieser Tatsache stellen. Unsere europäischen Partner haben dies getan, in dem sie länger arbeiten. Wir können uns dieser Entwicklung nicht entziehen", so Woerth weiter.

Haushaltsdefizit zu hoch
Um den öffentlichen Haushalt von Frankreich ist es nicht gut bestellt. Will das Land sein AAA-Rating als Top-Schuldner halten, muss es unter anderem seine Rentenkasse auf Vordermann bringen. Präsident Sarkozy hofft mit der Reform, die Investoren zu beruhigen, dass das Land seine Schulden abbauen kann. Bis 2018 sollen die Konten der Rentenkasse ausgeglichen sein, bis 2020 denkt die Regierung sogar an einen Überschuss von 100 Millionen Euro. 2010 rechnet man mit einem Defizit von 32 Milliarden Euro. Ohne Reform könne es bis 2050 auf 100 Milliarden ansteigen. Das gesamte Haushaltsdefizit soll in diesem Jahr bei acht Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen. Die für EU-Mitglieder erlaubte Grenze liegt bei drei Prozent.

Ausnahmen für besondere Fälle
Um die Gewerkschaften schon im Vorfeld zu besänftigen, sieht die Regierung Zugeständnisse vor für Menschen in besonders anstrengenden Berufen und für alle, die bereits mit 18 oder früher zu arbeiten begonnen haben. Außerdem sollen Spitzenverdiener auch ihren Beitrag zur Verbesserung der Haushaltslage leisten. Der Spitzensteuersatz soll von 40 auf 41 Prozent steigen. Geplant ist auch die Streichung von Freibeträgen auf Kapitalerträge. Im September werden die Pläne dem französischen Parlament vorgelegt. Mit großen Widerständen wird dieses Mal nicht gerechnet.  

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