Rente: Altersarmut auch in Japan
30.04.2010 – Demografische Probleme, Altersarmut, Verlängerung der Lebensarbeitszeit – diese Dinge treffen nicht nur auf Deutschland zu. Auch in Japan arbeiten immer mehr Menschen bis ins hohe Alter. Die einen, weil sie müssen, die anderen, weil sie wollen.
Arbeiten mit über 80
Das Nachrichtenportal n-tv.de berichtet beispielsweise vom 84-jährigen Shojiro Sagiya, der noch immer täglich in ein Chemieunternehmen fährt, in dem er als Manager arbeitet. Hier befasst er sich hauptsächlich mit Patenten für neue Technologien. Auf diese Weise halte er seinen Geist fit und damit auch seinen Körper, erzählt er. Nach einem Arbeitstag begibt er sich keineswegs nach Hause, sondern auf direktem Wege zum Eishockey-Training. Das Durchschnittsalter seiner Teamkollegen liegt bei 60 Jahren. Einige sind wie er aber auch bereits über 80.
Arbeitskräftemangel
Shojiro Sagiya bildet laut n-tv.de keine Ausnahme. Japans Gesellschaft altert rasant. Jeder Fünfte ist älter als 65. Das hat nicht zuletzt mit der sinkenden Geburtenrate zu tun. Die Bevölkerungszahlen gehen seit 2005 nach unten. Damit rücken auch immer weniger qualifizierte Arbeitskräfte nach. Wollen sich die Unternehmen keine Arbeitskräfte aus dem Ausland holen, müssen sie mehr ältere Menschen einstellen. Dass letzteres bereits gang und gäbe ist, zeigt sich am vergleichsweise hohen Anteil der Arbeitnehmer über 64 Jahre. Zirka 20 Prozent dieser Altersgruppe arbeiten noch. Die Regierung will ihren Anteil sogar noch erhöhen. Anders als die Deutschen gehen die Japaner nicht davon aus, allein von der Rente leben zu können. Sie rechnen nicht einmal damit, durch Rente und private Vorsorge ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Arbeit ist bis quasi ans Lebensende eingeplant.
Viele auf Sozialhilfe angewiesen
Heute können sich noch viele Senioren in Japan aussuchen, ob sie arbeiten wollen oder nicht. Viele tun es, weil die Arbeit sie fit hält. "Am besten gar nicht an die Rente denken, sondern weiterarbeiten", wird Sagiya auf n-tv.de zitiert. Volker Elis vom Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) betont allerdings, dass es auch Menschen gibt, die im Alter arbeiten müssen, um überleben zu können. Die Konditionen würden sich zudem oft verschlechtern, wenn jemand nach seinem offiziellen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben weiterarbeitet. Viele Menschen seien inzwischen auch auf Sozialhilfe angewiesen. Aus Scham würde sie aber nicht jeder Bedürftige beantragen. Besonders Frauen seien von Altersarmut betroffen, wenn sie nicht gearbeitet haben und der Mann vor ihnen stirbt. Auch auf die Kinder kann man nicht mehr so zählen wie früher. Da viele Erwerbstätige in irregulären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, kommen sie gerade so über die Runden.