Regelarbeitsgrenze wird Normalität

05.08.2010 – Immer mehr Menschen arbeiten bis zur Regelarbeitsgrenze. Laut Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) lag der Anteil 2009 bei 47,1 Prozent. Das Ministerium geht von einer steigenden Tendenz aus, laut Bundesdrucksache 17/2299.

Überprüfungsklausel verlangt Bericht
Die Informationen gab das BMAS auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hin aus. Diese hält die Rente mit 67 nur dann realisierbar, wenn auch ältere Menschen noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Diese sollten mit der "Initiative 50plus" erhöht werden. Ende November dieses Jahres muss sich die Bundesregierung in einem umfassenden Bericht zur Thematik äußern. So verlangt es die im Rentengesetz verankerte Überprüfungsklausel. Sollte die diesem Bericht zugrunde liegende Analyse ergeben, dass die Anhebung des Renteneintrittsalters aufgrund der Arbeitsmarktlage nicht vertretbar ist, muss die Regierung geeignete Maßnahmen vorschlagen. Sind Änderungen nicht nötig, steigt die Regelarbeitszeit ab 2012 von derzeit 65 Jahre auf dann 67 Jahre.

Atypische Beschäftigung bei fast 20 Prozent
Laut oben genannter Bundesdrucksache hat sich der Anteil der Männer, die bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten, von 2000 bis 2009 auf 50,4 Prozent verdoppelt. Bei Frauen erhöhte sich der Anteil im gleichen Zeitraum von 39,5 Prozent auf 44,1 Prozent. Um Anspruch auf die volle Rente zu erwerben, muss der Beitragszahler möglichst bis zur Rente vollbeschäftigt sein. Das gelingt allerdings vielen Menschen über 55 Jahre nicht. Fast 20 Prozent aller Erwerbstätigen zwischen 55 und 65 Jahren gingen einer so genannten atypischen Beschäftigung nach. Davon waren 15,8 Prozent Teilzeitbeschäftigte und 9 Prozent geringfügig Beschäftigte. Fast 4 Prozent hatten nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Weniger als ein Prozent waren Zeitarbeiter.

Privat gegen Altersarmut vorsorgen
Im Mai dieses Jahres waren fast 30 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland über 50 Jahre alt. Im Schnitt dauerte die beschäftigungslose Zeit 48,6 Wochen. Im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich 51,3 Wochen. Um die Altersarmut zu bekämpfen, fördert die Bundesregierung bestimmte Formen der privaten Altersvorsorge, wie die Rürup- und die Riester-Rente. Für beide gibt es Steuervergünstigungen. Riester-Sparer belohnt der Staat außerdem mit Zulagen. Auch die betriebliche Altersvorsorge wird mit Steuervergünstigungen gefördert.

Ausreichende soziale Absicherung angestrebt
Grundsätzlich sei es das Ziel der Regierung, heißt es im Ministerium, dass Bundesbürger, die ihr Leben lang in Vollzeit gearbeitet haben, eine Rente oberhalb der Grundsicherung bekommen müssen. Im kommenden Jahr soll eine Kommission Vorschläge für eine ausreichende soziale Absicherung im Alter entwickeln. 

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