Nur jeder Zehnte arbeitet bis 65
11.02.20010 – Wegen sinkender Geburtenraten und steigender Lebenserwartung hat die Bundesregierung 2006 eine Erhöhung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 beschlossen.
Diese Anhebung erfolgt schrittweise und beginnt 2012. Jahrgang 1964 wird der erste sein, der bis 67 arbeiten muss, wenn er ohne Abschläge in Rente gehen will. Wer 45 Arbeitsjahre vorweisen kann, darf sich allerdings auch weiterhin mit 65 zur Ruhe setzen. Wer früher in Rente gehen will, muss empfindliche Abschläge in Kauf nehmen. Nur: Von Wollen kann meist nicht die Rede sein, wie der aktuelle Altersübergang-Monitor des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Essen zeigt. Viele Bundesbürger werden längst vorher arbeitslos und haben kaum eine andere Wahl, als vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Nur jeder Dritte geht aus einem festen Arbeitsverhältnis in Rente. Bis 65 arbeitet nur jeder Zehnte.
Analysiert wurden im Rahmen der Studie vor allem drei Gruppen: Neurentner aus stabiler Beschäftigung, Neurentner aus Übergangsarbeitslosigkeit und Neurentner aus Langzeitarbeitslosigkeit kommend. Dabei nahmen sich die Forscher Rentenzugangsdaten aus dem Jahre 2007 des Forschungsdatenzentrums der Deutschen Rentenversicherung Bund vor.
Erhebliche Abschläge
75 Prozent der Langzeitarbeitslosen gehen vor dem regulären Eintrittsalter in Rente, im Schnitt dreieinhalb Jahre. Ein Drittel geht sogar fünf Jahre früher in Rente und nimmt dabei den maximalen Abschlag von 18 Prozent in Kauf. Pro Monat, den jemand früher in Rente geht, beträgt der Abschlag 0,3 Prozent. Wer aus einer stabilen Beschäftigung direkt in den Ruhestand geht, bekommt im Schnitt 1.028,80 Euro Rente. Wer vor dem Renteneintritt übergangsarbeitslos war, bekommt im Schnitt 799,80 Euro. Bei Neuzugängen aus Langzeitarbeitslosigkeit sind es 725,90 Euro.
Früherer Renteneintritt abhängig von Zusatzvorsorge
Ob sich jemand für einen früheren Renteneintritt entscheidet, hängt neben dem erreichten Rentenniveau auch von Einnahmen aus einer privaten Altersvorsorge und dem Einkommen der anderen Haushaltsmitglieder ab. Die Zahlen zeigen, dass knapp 50 Prozent der westdeutschen Männer vorzeitig in Rente gehen, meist drei Jahre vor dem abschlagsfreien Rentenbeginn. Frauen gehen noch früher in Rente. IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig rät dringend, die Beschäftigungsbedingungen und -fähigkeit für ältere Menschen zu verbessern. Andernfalls lässt sich die Rente mit 67 nicht realisieren. Schließlich würde heute oft nicht einmal die Regelaltersgrenze von 65 erreicht.