Ost = West? Noch keine Rentengleichheit
06.08.2010 – Auch zwei Jahrzehnte nach der Wende unterscheiden sich die ost- und westdeutschen Einkommen noch immer. Um in der Rente einen Ausgleich zu schaffen, hat die Bundesregierung eine Hochwertung eingeführt. Viele, allen voran die Linkspartei, fordern trotzdem eine Gleichstellung.
Lohnniveau unterschiedlich
Lag das Lohnniveau im Jahr 1992 in Ostdeutschland 44 Prozent unter dem in Westdeutschland, waren es 2008 nur noch 19 Prozent. Weil sich die Rente nach dem Einkommen richtet, fällt sie in beiden Teilen Deutschlands auch im Schnitt unterschiedlich hoch aus. Ein jährliches Durchschnittseinkommen von 32.000 Euro pro Jahr bringt einen Rentenpunkt, was derzeit im Osten einem Rentenanspruch von 24,13 Euro und im Westen von 27,20 Euro entspricht. Wer mehr verdient, erwirbt einen höheren Rentenanspruch und umgekehrt. 45 Beitragsjahre ergeben damit im Osten eine Standardrente von 1.086 Euro und im Westen von 1.224 Euro.
Höherwertung sorgt noch für Besserstellung
Einen Ausgleich schafft die so genannte Hochwertung. Sie wird angewendet bei allen versicherungspflichtigen Ost-Beiträgen, rückwirkend bis zum 08. Mai 1945. Dabei werden die Entgelte in Ostdeutschland um zirka 19 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze höhergewertet. Wegen der längeren Beschäftigungszeiten sind damit viele Ost-Beschäftigte inzwischen teilweise besser gestellt. Während West-Rentnerinnen im Schnitt 487 Euro pro Monat bekommen, sind es bei Ost-Rentnerinnen 702 Euro. Bei den Männer sind es im Westen 990 Euro und im Osten 1.069 Euro. Dieses Verhältnis wird sich mit der Zeit aber umkehren, da viele Menschen im Osten nach der Wende arbeitslos bzw. Geringverdiener geworden sind.
Höhere Beiträge durch Gleichstellung
Die Linkspartei fordert eine Angleichung der Rentenansprüche bei Erhaltung der Hochwertung. Die Wirtschaftsweisen sprechen sich wegen der damit verbundenen Doppelbegünstigung dagegen aus. In ihrer Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion (Bundesdrucksache 17/1913) erklärte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dass eine gerechte Lösung der Problematik viel Sorgfalt erfordere und wegen der Komplexität kaum kurzfristig gefunden werden könne. Laut einer dpa-Meldung hat die Bundesregierung errechnet, dass Gleichstellung und Hochwertung zirka 6 Milliarden Euro im Jahr kosten würden. Weil dem BMAS diese Summe fehlt, müssten die Rentenbeiträge steigen.