Mit 70 in Rente?
04.06.2010 – Ginge es nach der EU, müssten die Menschen künftig bis 70 arbeiten. So steht es in einem Grünbuch der Kommission, laut "Financial Times Deutschland" (FTD).
Nicht mehr als ein Drittel des Lebens im Ruhestand
Danach empfiehlt die EU ihren Mitgliedsstaaten ausdrücklich, das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen. Und zwar so, dass nicht mehr als ein Drittel des Erwachsenenlebens im Ruhestand verbracht wird. Die Empfehlung beruht auf Schätzungen, nach denen die Europäer im Jahr 2060 zirka sieben Jahre älter werden als heute. Entsprechend müssten die Bürger zirka fünf Jahre später in Rente gehen.
Europäer arbeiten weniger als OECD-Bürger.
Zwischen offiziellem und realem Ruhestand liegen heute ein paar Jahre, so dass kaum jemand in Deutschland wirklich mit 65 in Rente geht. Im Durchschnitt erreichen die EU-Mitgliedsstaaten ein reales Renteneintrittsalter von gerade mal 60 Jahren. Das hält die Kommission für viel zu früh. Schließlich arbeiten die Europäer damit weniger als die Menschen in den OECD-Ländern. Hier gehen die Männer im Schnitt mit 63,5 Jahren und die Frauen mit 62,3 Jahren in Rente.
Der Deutsche geht mit 62,1 Jahren in Rente.
Obwohl die Deutschen offiziell bis 65 arbeiten müssten, verabschiedet sich der deutsche Mann bereits mit 62,1 Jahren aus dem Arbeitsleben. Weil das Rentensystem dies langfristig nicht mehr tragen kann, führt der deutsche Staat von 2012 bis 2030 stufenweise die Rente mit 67 ein. Würde Deutschland den EU-Empfehlungen folgen, könnte diese Entwicklung danach einfach fortgeführt werden bis 70.
Beruflich flexibel sein
Gerade Menschen, die körperlich hart arbeiten, fragen sich angesichts solcher Forderungen, wie das möglich sein soll. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen wehrt solche Bedenken ab. Niemand müsse im Alter noch den Beruf ausüben, den er als Jugendlicher gelernt hat. Kreativität und Flexibilität sind hier gefragt.
Weniger Beschäftigte, mehr Ruheständler
Dass das Renteneintrittsalter europaweit angehoben werden muss, steht außer Zweifel. Schon heute arbeiten im europäischen Durchschnitt nur drei Beschäftigte für einen Ruheständler. Prognosen zufolge könnte die Zahl 2030 auf zwei Beschäftigte pro Rentner sinken. 2060 stehen drei Beschäftigte zwei Pensionären gegenüber.
Franzosen sind Spitzenreiter.
Besonders früh gehen übrigens die französischen Männer in den Ruhestand. Mit 58,7 Jahren ist das Arbeitsleben für sie beendet. Das offizielle Renteneintrittsalter liegt hier allerdings bei 60 Jahren. Spanische Männer gehen real mit 61,4 Jahren in Rente. Offiziell sind es 65 Jahre. Die italienischen Männer dürfen bereits mit 57 Jahren in Rente gehen, tun es aber real mit 60,8 Jahren im Schnitt.