Kontroverse über Rentenentwicklung
03.10.2009 – Werden die Renten sinken und die Beiträge steigen? Ein Forschungsinstitut bejaht diese Frage, die Deutsche Rentenversicherung verneint sie.
Sinkende Reallöhne in den ersten zwei Quartalen
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sanken die Reallöhne im ersten Quartal dieses Jahres um 0,4 Prozent und im zweiten Quartal um 1,2 Prozent. Einen Grund sieht man insbesondere in der verstärkten Kurzarbeit als Folge der Wirtschaftskrise. Im verarbeitenden Gewerbe gingen die Löhne um 5 Prozent, in der Metallverarbeitung und in der Automobilindustrie sogar um 12 Prozent bzw. 8,8 Prozent nach unten. Der Einbruch der Entgelte in der Finanzbranche um 4,1 Prozent ist vor allem auf die weggefallenen Boni und Provisionen zurückzuführen.
Keine dynamische Rente mehr
Wegen der durch die Krise zu befürchtenden sinkenden Löhne, hat die Bundesregierung die umstrittene Rentengarantie beschlossen. Danach folgen die Altersbezüge nicht der Negativentwicklung der Löhne, wie es das Prinzip der dynamischen Renten eigentlich vorsieht. Dafür steigen die Renten allerdings in den folgenden Wachstumsjahren auch mit geringerer Rate. Auf diese Weise werden die unterlassenen Anpassungen nachgeholt.
Rentenniveau sinkt, Beiträge steigen, laut MEA
Finanzwissenschaftler Axel Börsch-Supan vom Institut für Ökonomie und Demografischen Wandel (MEA) an der Universität Mannheim geht davon aus, dass auch die Rentenversicherten Vermögensverluste durch die Wirtschaftskrise hinnehmen müssen. Nach Berechnungen des MEA sinkt der Rentenanspruch eines 1964 Geborenen
dauerhaft, wenn die Löhne um 2,3 Prozent in diesem Jahr sinken würden. "Die gesetzliche Rente wird langfristig für Babyboomer und Jüngere je nach Ablauf der Krise um etwa 6 bis 9 Prozent niedriger ausfallen, als es der Rentenversicherungsbericht 2008 vor Jahresfrist noch prognostizierte", wird Bösch-Supan in der FAZ zitiert. Dass sich der Rentenbeitrag vorübergehend von derzeit 19,9 Prozent auf bis zu 20,5 Prozent erhöht, ist laut Börsch-Supan kaum zu vermeiden.
Rentenversicherung geht von stabilen Beiträgen aus
Arbeitsminister Scholz hält die Befürchtung sinkender Löhne für übertrieben. Die Daten des zweiten Quartals seien nur vorläufig. Die Lohnentwicklung für das gesamte Jahr könne ganz anders aussehen. Dabei verweist er auch auf das üblicherweise im November gezahlte Weihnachtsgeld.
Auch die Deutsche Rentenversicherung will von sinkenden Löhnen nichts wissen und unterstellt dem MEA fehlende Objektivität, da zu einem Teil von der Versicherungsbranche finanziert wird. Nach wie vor steigen die Beitragseinnahmen, laut Rentenversicherung. Beitragserhöhungen schließt man dort allein wegen der hohen Reserven von 14 Mrd. Euro aus.