Gefährlicher Rentenoptimismus

21.08.2009 – Welche gefährlichen Signale die Bundesregierung mit ihrer Rentenpolitik sendet, zeigte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, kürzlich in der Wirtschaftswoche.

Hoffnungen geweckt
Danach seien durch die außerplanmäßige Rentenerhöhung 2008, dem Rentenanstieg in diesem Jahr und auch durch die beschlossene Rentengarantie Erwartungen und Hoffnungen genährt worden, dass die Alterseinkünfte mittelfristig doch nicht sinken würden. Nur noch jeder Fünfte befürchtet das. Noch Mitte der neunziger Jahre ging fast die gesamte Bevölkerung davon aus, dass die Renten nach und nach sinken würden. Nichtsdestotrotz bezweifeln rund 80 Prozent, dass die Rente langfristig sicher ist.

Sinkende Akzeptanz von Rentenreformen
Das geringe Problembewusstsein spiegelt sich auch in der sinkenden Akzeptanz der Rentenreformen wieder. So bewerten laut Köcher 10 Prozent eine Anhebung des Renteneinstiegsalters ab 67 Jahre als positiv, 82 Prozent hingegen als negativ. Das ist umso verwunderlicher, als der Mehrheit der deutschen Bevölkerung durchaus bewusst ist, dass die Rentenlasten durch die Alterung der Gesellschaft, nicht nur lang-, sondern schon mittelfristig steigen werden.

Längere Lebensarbeitszeit unerwünscht und unrealistisch
Renate Köcher benennt dafür folgende Gründe: ein innerer Widerstand gegen eine längere Lebensarbeitszeit und das Ausscheiden vieler Menschen aus dem Berufsleben bereits vor 65. Vielfach würden Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu sogar ermuntern. Zwar sei das durchschnittliche Eintrittsalter in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen, läge aber mit 61 Jahren auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau. Die meisten Bundesbürger glauben, dass Unternehmen heute kaum daran interessiert sind, ältere Mitarbeiter bis zur Rente zu beschäftigen. Gerade mal 12 Prozent sind davon überzeugt, dass Arbeitgeber heute ihre Angestellten bis zum Ruhestand beschäftigen möchten. Gerade mal jeder Dritte geht davon aus, dass das in der Zukunft der Fall sein wird. Viele gehen auch gerne früher in den Ruhestand. Arbeiten bis zur Rente erscheint wenig erstrebenswert.

Immerhin gilt die Phase nach dem Berufsleben als besonders verheißungsvoll mit den neuen Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten. Nur 7 Prozent der Bundesbürger denken, dass mit dem Ende des Beschäftigtendaseins der schönste Teil des Lebens vorbei ist. 60 Prozent sehen darin sogar die Chance für einen Neuanfang. Auf die Frage, ob man bereit wäre, länger zu arbeiten oder alternativ höhere Rentenbeiträge bezahlen würde, sprachen sich 29 Prozent der Berufstätigen für eine längere Lebensarbeitszeit aus und 32 Prozent für höhere Beiträge. 

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