Demografieentwicklung: Keine Bevölkerungsimplosion
20.01.2010 – Die Bevölkerung schrumpft, sagen die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Damit werden wir nicht nur immer ältere, sondern auch immer weniger Menschen. Dabei bezieht sich Destatis unter anderem auf die niedrigen Geburtenraten. Laut Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock sind solche Ängste unbegründet.
Mehr Kinder geboren als gedacht
Das Institut hat kürzlich zusammen mit dem Wiener Institut für Demografie Aiva Jasilioniene die Geburtenrate verschiedener europäischer Länder unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Es werden wieder mehr Kinder geboren. "Die Angst vor einer Bevölkerungsimplosion, die während der extrem niedrigen Geburtenraten der 1990er Jahre aufkam, ist unbegründet", behauptet MPIDR-Direktor Joshua R. Goldstein.
Zuwanderung nötig laut Destatis
In seiner 12. koordinierten Bevölkerungs-Vorausberechnung kommt Destatis zu einem anderen Ergebnis. Nachwuchs fehlt, zu wenig Zuwanderung und eine steigende Zahl von Todesfällen, weil es so viele alte Menschen gibt, werden dazu führen, dass die heute 82 Millionen Menschen auf maximal 70 Millionen im Jahr 2060 schrumpfen. Nur Zuwanderung könnte diese Entwicklung abmildern, wenn auch nicht ausgleichen. Laut Branchendienst map würden in Deutschland ohne ein signifikantes Wachstum an Zuwanderung 2060 sogar nur noch 54 Millionen Menschen leben.
Unterschiedliche statistische Erfassung
Dass sich die Ergebnisse von Destatis und MPIDR voneinander unterscheiden, soll an deren jeweiliger statistischer Erfassung liegen. Destatis und andere Forschungseinrichtungen rechnen mit der so genannten "zusammengefassten Geburtenziffer", auch Gesamtfertilitätsrate genannt. Diese Zahl bezeichnet die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau und bezieht sich immer auf aktuelle Werte. Laut der koordinierten Bevölkerungs-Vorausberechnung von Destatis sind das derzeit zirka 1,4 Kinder.
Thema Kinder wird aufgeschoben, nicht aufgehoben
Weil Eltern immer später Kinder bekommen, führt diese Gesamtfertilitätsrate laut MPIDR zu falschen Ergebnissen. In einer im Fachmagazin "Population and Development Review" publizierten, von der breiten Öffentlichkeit jedoch unbeachteten Analyse widerlegt das Institut die Ergebnisse von Destatis und Co. " – zum ersten Mal seit dem Babyboom in den 1960er Jahren nehmen die Geburtenraten gleichzeitig in den entwickelten Ländern rund um die Welt zu", berichtet Joshua Goldstein. Die Geburtenrate wird immer aus aktuellen Zahlen berechnet, berücksichtigt den Fakt, das immer mehr Eltern später Kinder bekommen, aber nicht. Je mehr Eltern das Thema Kinder aufschieben, desto niedriger liegt der Wert der Geburtenrate. "Vermutlich liegen die endgültigen Werte in fast allen Ländern mit ehemals extrem niedrigen Raten zwischen 1,5 und 1,8 Kindern pro Frau", sagt Goldstein.