Berichtspflicht zur Rente mit 67
09.07.2010 – Ob die Einführung der Rente mit 67 sinnvoll ist oder nicht, darüber muss die Bundesregierung ab diesem Jahr alle vier Jahre berichten. Dabei geht es in erster Linie um die Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Im November dieses Jahres soll der erste Bericht vorliegen.
Dass die Bundesregierung sich auf einem richtigen Weg sieht, zeigt schon heute eine umfangreiche Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) auf eine Große Anfrage der Linksfraktion.
Deutsche arbeiten länger
Ab 2012 hebt die Bundesregierung das reguläre Renteneintrittsalter von derzeit 65 Jahren auf 67 Jahre stufenweise an. Ab 2029 gilt dann die neue Grenze. Die Deutschen arbeiten auch heute schon länger als früher. Jeder Zweite geht mit Rentenabschlägen in den Ruhestand. Lag der durchschnittliche Rentenbeginn 1998 noch bei 62,2 Jahren, verschob er sich bis 2008 auf 63,2 Jahre. Die Erwerbstätigenquote stieg von 2000 bis 2008 bei den 60- bis 64-jährigen Männern um 16 Prozentpunkte auf 43 Prozent. Bei den Frauen stieg die Quote um 12 Prozentpunkte auf 27 Prozent. "Es ist völlig unrealistisch, dass die Beschäftigten mehrheitlich zwei Jahre länger arbeiten", wird Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken, im Versicherungsjournal zitiert. Seiner Meinung nach fehlen für die Rente mit 67 jegliche Vorraussetzungen. Einen Rentenzugang mit 60, mit Abschlägen, wie ihn die FDP vorgeschlagen hat, weist das BMAS ab, da die Vorfinanzierungskosten zu hoch wären.
Fast die Hälfte mit Abschlägen
Fast die Hälfte der Neurentner im Jahr 2008 musste mit Abschlägen in Rente gehen. Ihre Quote lag bei 46,6 Prozent, während es 2000 nur 14,6 Prozent waren. Durchschnittlich waren es 38,3 Abschlagsmonate. Die Minderung betrug im Schnitt 115 Euro brutto. Früher in Rente zu gehen und dabei Abschläge in Kauf zu nehmen, sei eine freiwillige Entscheidung jedes Einzelnen, heißt es von Seiten des BMAS. Dass die Zahl der Frührentner gestiegen ist, sorge die Bundesregierung nicht, heißt es in der Antwort auf die Große Anfrage.
Rentendauer steigt
Durchschnittlich 18 Jahre lang bezogen im Jahr 2008 die Deutschen ihre Rente. Dabei gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer bezogen im Schnitt 15,5 Jahre lang Rente, bei Frauen waren es 20,4 Jahre. Darüber, wie sich diese Dauer in Zukunft entwickelt, wurden keine Schätzungen angestellt. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Menschen immer länger Rente beziehen, da die Lebenserwartung bis 2030 um zirka 2,5 Jahre steigen soll.
Zuschüsse für ALG-II-Empfänger sollen wegfallen
Derzeit zahlt die Bundesregierung an Empfänger von Arbeitslosengeld II Zuschüsse, die einem Rentenanspruch von 2,18 Euro pro Monat entsprechen. Diese Zuschüsse sollen abgeschafft werden, da so 1,8 Milliarden Euro gespart werden können.