Armutsgefahr für deutsche Großstädte

07.07.2010 – Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind deutsche Großstädte stärker von Armut bedroht als kleinere Städte. Das ergab die Mikrozensus-Auswertung von 2008.

Leipzig Spitzenreiter
Der Mikrozensus liefert statistische Daten über die Struktur der Bevölkerung, deren wirtschaftliche und soziale Lage bis in die Haushalte hinein, über die Erwerbstätigkeit, Arbeitssuche, Aus- und Weiterbildung, Wohnverhältnisse und Gesundheit. Die Daten haben gezeigt, dass die Armutsgefährdung ab einer Einwohnerzahl von 500.000 den Bundesdurchschnitt übersteigt. Dieser liegt bei einer Quote von 14 Prozent. Leipzig ist dabei Spitzenreiter im negativen Sinne. Lag die Armutsquote 2005 noch bei 23,9 Prozent, waren es 2008 schon 27 Prozent. Damit ist hier jeder vierte Einwohner von Armut bedroht.

Berlin vergleichsweise wenig gefährdet
Die EU definiert Menschen dann als armutsgefährdet, wenn sie von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben müssen. Die Grenze lag 2008 bei 781 Euro. Mit einer Armutsquote von je über 20 Prozent gehören auch Hannover, Bremen, Dresden und Dortmund zu den gefährdeten Städten. Hier ist jeder fünfte Einwohner von Armut bedroht.

Zahlen von Destatis zeigen zudem, dass sich die Situation in diesen Städten seit vier Jahren immer weiter verschlechtert hat. Erstaunlicherweise steht die Riesenstadt Berlin mit einer Quote von 18,7 Prozent vergleichsweise gut da. Besser als der Bundesdurchschnitt schneiden München, Hamburg und Frankfurt ab. In München beispielsweise ist nur jeder zehnte von Armut betroffen. Gut steht auch Stuttgart dar mit einer Quote knapp über dem Bundesdurchschnitt. Erstmals haben Destatis und die statistischen Ämter der Länder mit dem Projekt "Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik" regional tiefer gegliederte Daten zusammengetragen und ausgewertet. Dabei wurden die Armutsquoten für 39 Regierungsbezirke und 95 Raumordnungsregionen ermittelt.

BMAS empfiehlt zusätzliche Vorsorge
Die Armutsentwicklung schlägt sich auch auf die Rente nieder. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) berechnete beispielsweise, dass ein Durchschnittsverdiener 27 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen muss, um mit 65 Jahren überhaupt die Grundsicherung von 657 Euro zu bekommen. Wer ein Drittel unter dem Durchschnittsverdienst liegt, muss dafür 41 Jahre lang gesetzlich rentenversichert arbeiten. Das BMAS betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge

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